Lucia 20.05.2020



Liebe Freunde von Santa Lucia,

 

ich hoffe es geht Ihnen allen gut. Diesen Text schreibe ich im Rahmen der monatlichen Abrechnung, die ich an den deutschen Verein schicke. In Zeiten von Corona ist dieser Bericht ganz anders als sonst:

Wir haben im April lediglich das Telefon und Internet bezahlt, was ein monatlicher Fixpreis ist. 

 

- Manuela hat diesen Monat ihren Lohn nicht akzeptiert. Sie sagte, dass sie nichts verdienen kann, wenn sie nicht arbeitet. Bevor wir die Einrichtung nicht wieder regulär öffnen können, verzichtet sie auf ihr Gehalt. Sie ist sehr besorgt über die Situation von Santa Lucia in diesen Zeiten und hat immer ein Auge darauf, dass das Geld reicht.

 

- Anyela ist unsere Aushilfe in der Küche, sie kann natürlich aktuell auch nicht arbeiten. Wir müssen sie dennoch finanziell weiter unterstützen, der Vater ihres Kindes bringt ihr manchmal Lebensmittel vorbei, zahlt aber kein Geld als Unterhalt. Somit fehlt ihr immer Geld für Brot und lebenswichtige Dinge. Sie lebt derzeit in unserem Haus in der Cahuide, damit unterstützen wir sie, da sie keine Miete zahlt. Das Haus möchten wir verkaufen, in der Coronakrise ist dies aber nicht möglich.

 

- Dr. Rivera arbeitet derzeit natürlich komplett im Krankenhaus und bekommt somit kein Geld von uns.

 

- Unsere Köchin Carmen kann derzeit auch nicht arbeiten da die Kinder von Santa Lucia natürlich zuhause essen, aber sie kommt ihren Lohn weiter. Sie hat sonst überhaupt kein Auskommen mehr, sie ist chronisch krank und bekommt keine Unterstützung durch ihre Kinder. Das ist auch der Unterschied zu Manuela, die auf ihre Kinder zählen kann.

 

- Unsere Steuerberaterin bekommt ihren Lohn, der vertraglich vereinbart ist. Es fallen ja weiterhin Steuern und Zahlungen für die Einrichtung an, die bearbeitet werden müssen.

 

- Der Familie aus Venezuela, die in unserem Haus Thomas Alvarez wohnt, geht es gut. Sie bewohnen, beleben und bewachen das Haus, es gibt ja aktuell auch keine deutschen Praktikanten, wir haben Ihnen 200 Soles diesen Monat bezahlt. 

 

Die Arbeit mit den Kindern hat sich tatsächlich nach vielen Startschwierigkeiten auf allen Seiten gut eingependelt. Die Familien haben sich daran gewöhnt, die ganze Zeit mit den Kindern zuhause zu sein. Die Erzieher und Therapeuten erarbeiten jeden Tag einen Förder- und Spieleplan für jedes einzelne Kind und senden es per WhatsApp an die Eltern. Die Kommunikation ist mittlerweile sehr viel besser mit den Eltern. 

Ich lasse mir jeden Tag alle Pläne der Erzieher und Therapeuten schicken, schaue darüber und versuche in gemeinsamen digitalen Treffen Anregungen und Fragen zusammen zu tragen, die wir gemeinsam besprechen. Jeden Freitag „treffen“ wir uns als gesamtes Personal über Webex und tauschen die Informationen zu den Kindern aus, aber auch zu Dokumenten, die anfallen. Es war zu Beginn alles sehr holprig und anstrengend, alles mussten wir komplett neu aufbauen, aber mittlerweile sind technische Probleme Vergangenheit und der Austausch ist entgegen aller Bedenken gut.

 

Meine Arbeit mit dem Bildungsministerium ist so viel und anstrengend wie nie zuvor. Sie kontrollieren alle privaten Bildungseinrichtungen, fordern Dokumente und Papiere an, es sind so viele, die wird sicher kein Mensch dort lesen. Sie fordern und fordern. Jeden Dienstag und Donnerstag vormittag gibt es ein verpflichtendes digitales Treffen, es ist sehr ermüdend, aber wir müssen da teilnehmen. Ich kann keinen Sinn in dieser Kontrolle erkennen. Natürlich gibt es sicher immer mal die eine oder andere Einrichtung, die keine gute Arbeit im Homeoffice macht, aber die Kontrollen hören nicht auf für alle. 

 

Ich schicke zudem einen Brief von Juan. Er hat mich angesprochen, dass er im Moment keine Therapien anbieten kann, er bekommt nur das Gehalt, dass er als Angestellter der Schule bekommt, in der er auch noch arbeitet. Er kann also aktuell die Kreditzahlungen an Santa Lucia nicht leisten, da er die Nebenkosten für Carmens Haus zahlt und wenn gesundheitlich etwas bei ihr ansteht, ihre Kinder kümmern sich leider darum nicht. Ich habe ihn gebeten, dass er Ihnen einen Brief über seine Situation schreibt. Diesen habe ich im Anhang angehängt.

 

Es ist einfach schrecklich, aber die Corona-Infektionzahlen in Peru steigen weiter an und wir wissen nicht, wann und wo ein Ende in Sicht ist.

 

Ich hoffe es geht Ihnen allen gut. Ich schicke viele Grüße und melde mich bald mit der aktuellen Situation.

Danke und viele Grüße,

Lucia

 

 

Frühjahrsrundbrief 2020



Im Frühjahrsrundbrief 2020 haben wir die aktuellen Informationen zur Situation von Santa Lucia in Zeiten von Corona zusammengefasst. Den Rundbrief sowie alle Rundbriefe seit 2010 finden Sie hier:

arequipa-info.de/9.0.html

 

 

 

 

Lucia 13.4.2020: Aprendo en mi casa (Ich lerne zu Hause)



Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer von Santa Lucía,

ich hoffe, dass es Ihnen und Ihren Familien gut geht und alle bisher noch von COVID-19 verschont geblieben sind.

 

In Santa Lucía arbeiten wir derzeit nicht in den Klassen. Allerdings arbeiten wir mit den Familien und den Kindern jeweils individuell zusammen, damit das Zuhausebleiben in diesem gezwungen Zustand dennoch gesundheitsfördernd ist, die Kinder weiter unterhalten werden und dabei weiter lernen. Die Kommunikation und die Aufgaben, die wir an die Familien senden, erfolgen über das Handy und WhatsApp, welches die meisten Eltern auch haben. Diejenigen die kein WhatsApp haben, benutzen dann häufig das Handy von Verwandten mit denen sie zusammenwohnen. Das gleiche gilt für Zettel die ausdgedruckt werden sollen. Mit einigen Familien, die keine Möglichkeit zum Drucken haben, haben wir auch vereinbart, dass diese einfach die Aufgabenzettel selber abzeichnen könnnen. Das ist häufig unrproblematisch möglich.

 

Diese Aktivitäten richten sich nach den Lernbedürfnissen jedes Kindes, seiner Diagnose und den Schwierigkeiten, die jedes Kind hat. Aber das Wichtigste ist derzeit, dass wir lustige Aktivitäten anbieten, an denen auch die ganze Familie teilnehmen kann, mit Spielen, dynamischen Übungen, Yoga usw. Wir haben aber auch viele Aktivitäten, welche die Kinder länger beschäftigen sollen. Dies ist insbesondere für Kinder mit Autismus sehr wichtig, denn wenn sie nicht ausreichend beschäftigt sind, werden sie frustriert und entwickeln ein schwieriges Verhalten. Deshalb senden wir ihnen sehr abwechslungsreiche Bilder zu auf den beispielsweise Kinder in einer Yoga-Haltung zu sehen sind, andere schälen Bohnen, waschen Kleidung oder füllen Behälter.

Hier können Sie Fotos und Videos der Eltern sehen:

https://www.dropbox.com/sh/ch9c5g3k9g6ykcg/AACmR05RgOiYC08axV_CxKi9a?dl=0 

 

Was uns sehr wichtig ist, dass die Kinder das Händewaschen viel üben, was insbesondere nun auch in der Coronasituation unerlässlich ist. Dabei richten wir uns auch an die Eltern, damit diese das Händewaschen in Eigenhilfe mit ihren Kindern täglich üben. Jetzt wo sie mehr Zeit zu Hause haben, fällt dies vielen auch leichter.

Die Eltern sind wegen der Arbeit, die wir leisten sehr erleichtert, denn es hilft ihnen sehr ihre Kinder aber auch sich selbst zu unterhalten. Selbstverständlich sagen sie auch alle, dass es für sie besser ist, wenn der normale Unterricht in den Klassen wieder beginnt.

 

Vielen Dank an Sie alle! Durch Ihre Unterstützung ist die Arbeit für Santa Lucía und die Hilfe für die Familien weiterhin möglich!

Viele Grüße

Lucia

 

 

 

Lucia 30.3.2020: Corona in Arequipa



Hallo liebe Freunde,

ich hoffe euch geht es gut, trotz der Situation mit dem Coronavirus.

In Peru ist die Situation noch nicht besser. Es gibt noch die Ausgangssperre, die die Regierung verhängt hat. Die Maßnahmen wurden sehr schnell umgesetzt um das soziale Leben einzuschränken. Aber das schlechte ist, dass viele Personen hier in meinem Land sehr unverantwortlich sind und nach draußen gehen, als wäre nichts. Und es gibt auch Menschen die weiter Sachen verkaufen, und ihr wisst, dass sie das müssen um jeden Tag ihr Essen davon zu kaufen. Also arbeiten sie weiter und kümmern sich nicht darum, ob es erlaubt ist oder nicht. Die Regierung unterstützt bedürfte Familien mit 380 Soles pro halben Monat (Anmerkung: 100 Euro). Aber einige Personen erreicht das Geld nicht, da die Daten der Personen in den Registern des Zensus nicht aktualisiert sind. Also bekommen die Personen die es nicht brauchen diesen Bonus, und die die ihn benötigen bekommen nichts.

Meinen großer Respekt gilt allen Familien in Santa Lucia! Die meisten habe eine „unabhängige/selbstständige“ Arbeit: Maurer, Mechaniker, Schweißer, Schreiner, Schuster, viele Taxifahrer, Busfahrer, die in normalen Zeiten ganz in Ordnung verdienen können, aber jetzt haben sie aktuell kein Einkommen. Deswegen ist es für sie eine sehr schwierige Situation. Nur eine kleine Gruppe ist angestellt in Firmen, die die Gehälter weiter bezahlen. Die Regierung hat die Ausgangssperre verlängert, daher wird der Bonus um diese 15 Tag verlängert und von der Verwaltung jedes Distrikts gezahlt. So kommt es dann bei den Familien von Santa Lucia an.

Unser Personal bearbeitet ein Buch zum Thema Autismus. Sie sagen, dass sie sich nun besser mit Autismus auskennen und besser arbeiten können. Bis zum heutigen Tag haben wir Anleitungen an die Familien unserer Kinder geschickt, welche Aktivitäten sie mit den Kindern zu Hause machen können. Aber da müssen die Familien mitarbeiten und wir schauen, dass es Aktivitäten sind, die den Familien helfen die schwierige Situation, mit ihren „gestressten“ Kindern, die nicht raus dürfen, zu überstehen

Jeden Tag gibt es einen Bericht der Regierung, wie sich die Fälle entwickeln, und es ist sehr demotivierend, da die Zahlen steigen. Natürlich steigen sie, aber es wäre besser, wenn sich die Menschen an die Ausgangssperren halten würden. Die Menschen glauben nicht, dass es nicht genügend Möglichkeiten zur Behandlung in den Krankenhäusern gibt und genügend Testmöglichkeiten, wenn die Infektionen weiter steigen.

Die Polizei und Behörden kontrollieren in den Straßen, damit niemand das Haus einfach so verlässt. Man darf Essen einkaufen und in die Apotheke. Wir brauchen wirklich Polizei und Soldaten, die die vielen Menschen kontrollieren, die einfach nicht weit genug denken, könnt ihr euch das vorstellen? Die Leute denken einfach nur für diesen Moment, dass sie jetzt einmal raus gehen wollen und mehr interessiert sie nicht.

In Arequipa sind 21 Personen infiziert. 2 sind im Krankenhaus en ESSALUD, die anderen Personen sind zu Hause und 2 Personen sind geheilt.

In der Familie geht es allen gut. Wir sorgen uns um Manuela, meine Mutter. Glücklicherweise sind ihre erwachsenen Enkel Nestor und Mirza bei ihr. Wir anderen können Sie nicht sehen, aber wir telefonieren jeden Tag.

Ich hoffe von ganzem Herzen, dass die Situation sich verbessert. Das Gesundheitssystem in Peru kann viele zu viele Erkrankte nicht aushalten und die wirtschaftliche Situation verschlechtert sich sehr.

Passt alle auf euch auf und bleibt gesund, viele Grüße, Lucia

 

 

 

Santa Lucia wegen Corona geschlossen



Liebe Freunde von Santa Lucia.

Lucia hat uns über die Situation durch Corona in Santa Lucia geschrieben.

Praktikanten sind keine mehr in Arequipa. Malina und Matthias sind Ende Januar abgereist. Katharina wollte noch bis Ende März bleiben, ist aber schon vorzeitig wegen dem Corona Virus geflogen. Die nächste Generation kommt erst im Sommer. Da müssen wir mal sehen, wie die Situation ist

Hier ist Lucias Bericht:

 

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer von Santa Lucía,

 

die Situation hinsichtlich der Corona-Pandemie spitzt sich auch in Peru weiter zu, was mit weiteren Einschränkungen einhergeht. Aktuell ist der Notstand ausgerufen worden. Dies bedeutet, dass keine Person außer im Notfall das Haus verlassen darf. Unter die Ausnahmen fallen zum Beispiel Arzt- und Apothekenbesuche sowie Supermarkteinkäufe.

 

Heute sind nur noch wir, das Personal, nach Santa Lucía gekommen. Die Eltern der Kinder wissen bereits, dass sie ihre Kinder nicht in die Einrichtung bringen sollen, weshalb schlussendlich auch kein Kind heute da war. Das Personal bildet sich derzeit über das Thema Autismus weiter. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter hat derzeit ein Buch über Autismus, was sie zu Hause lesen sollen, damit sie sich weiter mit der Entwicklungsstörung in der Theorie aber auch aus praktischer Arbeitssicht beschäftigen und weiterbilden.

 

In Peru sind inzwischen Universitäten und Institutionen geschlossen worden. Die Medizinstudenten im Praktikum gehen nun auch nicht mehr in die Krankenhäuser und sonstigen Kliniken.

 

Seit vier Tagen stürmen die Menschen in Peru nun in sämtliche Supermärkte und kaufen wie verrückt, die Schlangen finden kein Ende. Am heutigen Morgen wurde die soziale Situation auch immer schlimmer. Es kam zu Auseinandersetzungen der Kunden untereinander, wobei zum Teil die Polizei einschreiten musste.

Auf den Straßen sind jetzt schon nicht mehr viele Autos zu sehen, aber ab morgen sollen die Straßen frei von Menschen und fahrenden Autos sein. Allein Ärzte, sonstiges medizinisches Personal und weitere Krankenhausmitarbeiter dürfen sich noch in den Autos zur Arbeit fortbewegen. Die Verantwortlichen haben bereits Verhaftungen angedroht, wenn sich Menschen ohne Sonderbefugnis auf den Straßen aufhalten.

 

Dieser Ausnahmezustand wurde nun erstmal für die nächsten zwei Wochen festgesetzt. Der Präsident hat auf die Situation der Arbeiter reagiert und festgelegt, dass alle Menschen in ihre Heimatstädte zurückkehren müssen. Die Arbeitgeber müssen allerdings eine Rückkehr in den jeweiligen Beruf nach Beendigung des aktuellen Notstandes gewährleisten, weshalb der Lohn weiterhin ausgezahlt werden muss. Für Verkäufer auf der Straße, die nun nichts mehr verkaufen können, wird die Regierung diesen Familien für die nächsten zwei Wochen eine Sonderhilfe in Höhe von 380 Soles [ca. 98 Euro] bereitstellen.

 

Derzeit gibt es 86 Coronainfizierte in Peru. 73 davon sind in Lima, zwei Fälle gibt es in Arequipa und der Rest verteilt sich auf die anderen Regionen. Sehr problematisch ist, dass die Tests von Arequipa nach Lima geschickt werden und 5 bis 7 Tage für die Testergebnisse benötigt werden. Keiner kann deshalb sagen, wie hoch die konkreten Zahlen derzeit sind.

 

Heute wurden nun die Außengrenzen des Landes geschlossen und auch zwischen den Städten in Peru ist ein Übertritt nun nicht mehr möglich.

 

Nun, ich hoffe, dass dies alles hilft, das Coronavirus zu kontrollieren und einzudämmen.

 

Passen Sie auf sich auf!

 

Lucía Vega

 

Anmerkung: Lucía Vega hat den Brief am 16.03.2020 verfasst und gibt die Situation in Santa Lucía und allgemein in Peru hinsichtlich der Corona-Pandemie zu diesem Zeitpunkt wieder.