Schulspeisung Ayo



Zusätzlich betreiben wir noch eine Schulspeisung in dem Andendorf Ayo. Unsere peruanische Seniorchefin Manuela wurde hier geboren. Und bei ihre Besuchen in ihrem Heimatdorf wurde sie immer wieder mit der schlechten Versorgung der Kinder konfrontiert. Deshalb bat sie uns, ihr bei der Einrichtung einer Schulspeisung zu helfen.

 

Ayo ist ein Distrikt der in der Provinz Castilla liegt, Department von Arequipa. Mit dem Bus braucht man 12 Stunden bis Andagua im Tal der Vulkane, von dort aus muss man mit dem Auto, Kleinbus oder mit dem Pferd weiterreisen. Die Straßenverhältnisse sind sehr schlecht und es gibt nur wenige Transportmittel, die für die Strecke geeignet sind.

In Planung und in Teilstrecken bereits gebaut ist eine Verbindung nach Huambo im Colca-Canyon. Dies würde die Fahrtzeit nach Arequipa auf ca. 5 Stunden verkürzen. Außerdem läge man dann auf der Verbindungsstrecke zwischen den touristisch gut erschlossenem Colca-Canyon und dem Tal der Vulkane. 

Es gibt auch kaum Mittel der Kommunikation, nur ein Satellitentelefon, welches der Victor, der Bürgermeister eingerichtet hat. Wenn jemand angerufen wird, wird das über eine Lautsprecheranlage ausgerufen und angekündigt. Man geht dann ins Bürgermeisteramt, wo man dann den Anruf entgegennehmen kann. Über die Sattelitenstrecke ist das Bürgermeisteramt auch an das Internet angeschlossen. 

Seit 2003 betreibt Ayo ein kleines Laufwasserkraftwerk mit einer Turbine am Auslauf einer Lagune unterhalb des Dorfes zur Elektrizitätsgewinnung. Und seit 2006 gibt es eine saubere Wasserversorgung, nachdem ein kleines Wasserwerk an die einzige Quelle von Ayo angeschlossen worden ist und Wasserleitungen zu jedem Hof gelegt worden sind. Vorher wurde das Wasser aus den offenen Bewässerungsgräben für die Felder und Gärten entnommen. Das alles ist in Gemeinschaftsarbeit der Dorfbevölkerung entstanden. Lediglich Baumaterial und die erforderliche Maschinen, wie die Turbine und Leitungen, wurden vom Staat gestellt. 

Der Distrikt Ayo ist ehr arm und die Leute leben von der Landwirtschaft, sie ernten Weizen, Mais und eine Vielfalt von Früchten. Aber wegen des Klimas kann man nur einmal im Jahr aussäen und für die Produkte bekommt man in Arequipa nur wenig Geld, außerdem ist der Transport in die Stadt sehr teuer.

Das sind die Gründe, warum die Ernte nur an die Tiere verfüttert wird, es wird alles sehr schnell schlecht, vor allem die Früchte. Die beste Frucht aus Ayo ist die Traube, aus ihr wird Wein hergestellt den man auch in Arequipa verkaufen kann. Aber nicht jeder Hof kann Wein anbauen. Neuerdings gibt es auch eine kleine Schnapsbrennerei, in der das Obst zu verschiedenen Obstbränden verarbeitet wird. Die Brennerei wird als Genossenschaft betrieben und verkauft seine Produkte bisher nur im Ort.   

Durch die wirtschaftliche Situation gelangt kein Geld nach Ayo, daher basiert alles auf Tauschhandel (Mais gegen Kartoffel oder Weizen gegen Kartoffel). Es gibt nur ein kleines Geschäft, das die Sachen aber sehr teuer verkauft, sodass die Dorfbewohner  keinen Reis, Nudeln, Milch, Zucker und andere Dinge kaufen können. Nur der Alkohol ist billig, der wird aus Andagua angeliefert.

Wie in anderen unterentwickelten Dörfern regiert in Ayo der Machismo, es gibt familiäre Gewalt und eine hohe Alkoholabhängigkeit. Das hat Auswirkungen auf die landwirtschaftlich geprägte Wirtschaft und damit auf ausgesetzte, hungernde und unterernährte Kinder.

Einige Kinder haben manchmal kein Frühstück und kein Mittagessen. Sie ernähren sich nur von Mais, Weizen und manchmal auch von Kartoffeln, zum Frühstück manchmal eine Suppe aus Mais oder Weizen mit Wasser. 

Nach einer Studie des Gesundheitszentrums Ayo gibt es viele Tuberkuloseerkrankungen aufgrund der Defizite in der Ernährung. Auch viele weitere Krankheiten gibt es aus diesen Gründen. 

Es gibt eine Schule, allerdings nur auf dem Grundschulniveau. Eine weiterführende Schule gibt es nicht, weil die Eltern der Meinung sind, dass es ausreicht, wenn ihre Kinder lesen und schreiben lernen und danach bei ihnen auf dem Feld mitarbeiten. Um am Unterricht teilzunehmen müssen die Kinder oft 90 Minuten bis 2 Stunden und ohne Frühstück in die Schule laufen, sie schlafen dort oft ein. Andere kommen gar nicht zur Schule und ihre Eltern habe auch kein Interesse dafür. Die Lehrer sind sehr gleichgültig dem gegenüber, sie interessiert es nur, dass sie am Ende des Monats ihr Geld bekommen. 

Die Schulspeisung in Ayo gibt es nicht nur, um die Ernährung der Kinder zu verbessern, sondern auch, um die Mentalität der Leute dort ein bisschen zu ändern. Nach und nach solle sich die Gedanken in der Köpfen der Väter ändern, die ihre Frauen schlagen und sich betrinken. Nach und nach soll auch das Selbstbewusstsein der Frauen gestärkt werden, damit sie sich durchsetzen und keinen Missbrauch mehr erlauben. Und das Bewusstsein soll erzeugt werden, dass die Bildung ihrer Kinder sehr wichtig ist und ein Weg, aus diesem Elend herauszugelangen.

Auch die Hygiene der Kinder ist wichtig, natürlich haben sie keine gute Kleidung, aber man kann nähen und waschen. Die soziale Bildung dieser Menschen ist absolut notwendig.

Zurzeit sind es ca. 50 Kinder im Alter von 2 bis 13 Jahren, die zur Schulspeisung kommen. Es hat sich ein integriertes Komitee aus 5 Personen gebildet. Sie kontrollieren jeden Tag in der Woche die Mütter beim Kochen, damit die Hygiene gewährleistet ist. 

An der Speisung dürfen auch alle schwangeren Frauen und alle Kleinstkinder teilnehmen, damit auch sie eine gesunde und abwechslungsreiche Nahrung erhalten.

Zusätzlich dürfen auch alle alten, allein lebenden Menschen am essen teilnehmen. Durch die Abwanderung der jungen Leute nach Arequipa bleiben viele alte und gebrechliche Menschen unversorgt zurück. Momentan nehmen so ca. 15 Alte am Essen teil.

 

Die Schulspeisung funktioniert sehr gut von Montag bis Freitag zusammen mit der Schule. Vor Schulbeginn gibt es einen Brei, meist aus Mais und Milch und ein Brötchen und Obst.

Mittags wird dann ein warmes Essen gekocht, meist vegetarisch, weil Fleisch sehr teuer in Ayo ist. Zuerst Essen die Klein- und Kindergartenkinder, dann die Schulkinder und danach die Alten.